„Wir sind gerne Fachidioten“

November 27, 2007

 

Beim Moderator Uli Blumenthal hallte anfangs das Mikrofon bei der Podiumsdiskussion. „Hört sich an wie aufm Klo“, „man kann so gar nicht zuhören“ und „es stört“ waren die Reaktionen auf diese Situation. „Drei Experten und vier Meinungen“ sagte er daraufhin. Und schon sind wir beim Thema „Wie wissenschaftlich ist die Wissenschaft? Über die Neutralität von Experten in den Medien“. Kann es Neutralität überhaupt geben, fragte Uli Blumenthal. „Man kann nicht neutral sein , schon aufgrund dessen, dass jeder ob durch Religion oder Nationalität beeinflusst wird“, antwortete Dr. Regine Kollek Professorin für Technologiefolgenabschätzung der modern Biotechnologie in der Medizin der Universität Hamburg. Deswegen sollten die Wissenschaftler bei Veröffentlichungen zeigen, aus welcher Perspektive sie sprechen. Denn gerade beim kontroversen Thema Klimawandel vertreten Wissenschaftler unterschiedliche Ansichten: Für die einen wird er vom Menschen verursacht, die anderen halten daran fest, dass der Mensch alleine keine Schuld trägt. Durch diese Prägung seien neutrale Aussagen von Forschern nur schwer zu bekommen. Übrigens sei die Wissenschaft inzwischen aus diesem Thema ausgestiegen und die Politik hat sich seiner angenommen: Die Politik sucht nun die Schuldigen am Klimaproblem und Frau Merkel verhandelt nebenbei mit China über die CO2-Emissionen.

Zur Qualität des Wissenschaftsjournalismus sagte Dr. Peter Weingart, Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung an der Universität Bielefeld: „Wenn sich früher die Wissenschaftler zu einem Thema geäußert haben, hat man es ihnen abgekauft.“ Doch diese Zeiten seien vorbei: Heute sind die Wissenschaftsjournalisten kritischer geworden. Außerdem machten Journalisten aus dem Gesagten oft etwas, was so nicht gesagt wurde; Zitate würden in einen anderen Sinnzusammenhang gestellt. Der Titel unseres Blogeintrags, „Wir sind gerne Fachidioten“, stammte übrigens von einem weiteren Podiumsteilnehmer, dem Geesthachter Direktor des Instituts für Küstenforschung Hans von Storch. Er gibt Journalisten zwar gerne Auskunft, jedoch nicht zu jedem Thema: Wenn bei ihm ein Journalist anruft und zu einem Thema befragen will, auf dem er kein Experte ist, dann leitet er diese an einen entsprechenden Kollegen weiter. Das sei besser als nach der Maxime zu verfahren: „Ein Professor weiß zu allem etwas“. Schade findet er allerdings, dass „es viele Wissenschaftler gibt, die etwas zu sagen haben, aber nicht angesprochen werden oder nicht gut kommunizieren können“.

 

Also: Traut euch!

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7 Responses to “„Wir sind gerne Fachidioten“”

  1. planeten Says:

    „Denn gerade beim kontroversen Thema Klimawandel vertreten Wissenschaftler unterschiedliche Ansichten: Für die einen wird er vom Menschen verursacht, die anderen halten daran fest, dass der Mensch alleine keine Schuld trägt. “

    Entschuldigung, bitte was? Der anthropogene Klimawandel ist nur deswegen im überwältigenden Maß von Klimaforschern weltweit akzepziert, weil die zur Verfügung stehenden Daten eigentlich nur die Schlussfolgerung „von Menschen verursacht“ zulassen. Auf keinen Fall sollte diese wissenschaftliche fundierte und belegte Schlussfolgerung gleichberechtigt neben Sätzen stehen wie „Ich glaub ja nicht, dass das von Menschen verursacht wird. Kann ich mir nicht vorstellen!“. Was ist die Grundlage für letztere Aussage? Glaube, Liebe, Hoffnung? Und das soll gleichberechtigt neben jahrzehntelanger, immer wieder überprüfter wissenschaftlicher Arbeit stehen? Ich bitte Sie!

    Wer so argumentiert, hat irgendwie den Begriff Meinungsfreiheit und ausgewogener Journalsismus völlig falsch verstanden. Dann räumen wir einer UFO-Gläubigen wie Nina Hagen den gleichen Raum ein, wie einem gestandenen Astronomen, wenn völlig unerheblich ist, mit welchen Argumenten die Thesen untermauert werden.

    Ganz abgesehen davon, dass es völlig unwissenschaftlich ist, mit einer vorgefertigten Meinung eine Studie anzufertigen. Die Meinung eines Wissenschaftlers hat sich nach Fakten und Daten zu richten und nicht umgekehrt! Wenn das der Fall ist, kann man von gezielter Manipulation sprechen. Sehen Sie das? Dass Wissenschaftler gezielt Daten manipulieren? Also, ich weiß nicht. Ich kenne einige Fälle von Datenmanipulationen, die von anderen Wissenschaftlern spätestens nach ein paar Jahren als solche entlarvt wurden. Das ist nämlich auch Wissenschaft – die Ergebnisse und Schlussfolgerung immer wieder kritisch zu hinterfragen.

  2. Annette Lessmoellmann Says:

    Liebe Autorinnen – Kommentar zu dieser Kritik?

  3. renaborger Says:

    Der Mensch alleine trägt keine Schuld. Warum ist diese Aussage denn so falsch? Das Klima war schon immer im Wandel. Deswegen nicht alleine!

    Zum Rest: Wir sind im ersten Semster!

  4. Fischer Says:

    Nein, das war nicht die Aussage, die die Planetologin kritisiert hat.

    Bitte noch mal sorgfältig lesen.

  5. Fischer Says:

    Einige Sachen hier im Blog sind auch mit dem Hinweis aufs erste Semester nicht zu entschuldigen.

    Außerdem, sieh’s mal so: Wann möchtest du lieber gesagt kriegen, dass du Sch… baust – im letzten Semester oder doch lieber schon im ersten? 😉

  6. planeten Says:

    @renaborger: Warum diese Aussage falsch ist?

    Weil sich eindeutig ein Zusammenhang zwischen CO2 Ausstieg und Verbrennung fossiller Brennstoffe nachweisen lässt! Wusstet Ihr, dass es verschiedene Sorten von CO2 gibt? Die Isotope? Wusstet Ihr das CO2 aus lebenden Pflanzen emittiert, CO2 aus Vulkanen und CO2 aus Verbrennung fossilier Brensstoffe sich aufgrund der Isotopenanteile unterscheiden lassen? D.h. es gibt Messungen, die aufgrund der Änderung der Isotopenverteilung belegen können, dass der Mensch nicht unerheblich dazu beiträgt, CO2 in die Luft zu kippen. Man kann ziemlich gut abschätzen und messen, wieviel CO2 aus welcher Quelle kommt und wo sich was ansammelt. Übrigens nicht nur in der Luft. Das Wasser der Ozeane reichert sich mit CO2 an und reagiert zu Kohlensäure, wodurch das Oberflächenwasser saurer wird.

    Daten und Fakten und vernünftige Argumente ist das Wesen jeder wissenschaftlichen Diskussion!

    Weil alleine schon nach dem Ausschlussprinzip nur noch der anthropogene Einfluss übrig bleibt. Schon mal was von Sherlock Holmes gehört? Wenn man alle übrigen Verdächtigen ausgeschlossen hat…blablabla. Die übliche Verdächtigen wurden ausgeschlossen.
    Weil die Geschwindigkeit mit der die Klimaveränderung vonstatten geht, ganz beunruhigend und erdgeschichtlich so noch nie beobachtet wurde. Normalerweise brauchen Klimaveränderungen tausende von Jahre – es sei denn irgendwo schlägt ein Meteorit gewaltigen Ausmasses ein oder ein Supervulkan bricht aus. Die jetzige Veränderung spult sich innerhalb von Jahrzehnten ab. Ein Meteorit ist nicht runtergekommen, Supervulkane übersieht man auch nicht so leicht. Diese beiden Phänomene würden übrigens eine globale Abkühlung bewirken, keine Erwärmung – nur so nebenbei. Aber wer bläst seit einigen Jahrzehnten in zunehmenden Masse CO2 in die Luft?

    Bloß weil sich in der früheren Erdgeschichte das Klima durch natürliche Einflüsse verändert hat, heißt das noch lange nicht, dass das jetzt zwangsläufig so sein muss!
    Was ist denn das für eine Argumentation? Das ist genau so, als ob man sagen würde: Früher starben auch Menschen bevor es Autos gab, die Menschen, die im Straßenverkehr sterben, können daher in keinem Zusammenhang mit dem zunehmenden Verkehr stehen.
    Euch ist schon klar, dass ein und dieselbe Wirkung durchaus von verschiedenen Faktoren ausgelöst werden können.

    Ich würde Euch jedenfalls raten, wenn Ihr Euch derart weit aus dem Fenster lehnt, dann habt Ihr die verdammte Pflicht erst mal gründlich zu recherchieren:
    Erst Daten, Fakten und vernüftige Argumente und dann bitte erst eine Meinung bilden. Ansonsten macht Ihr bloß PR. Am besten lernt Ihr das mit ersten Semester, sonst werdet Ihr nämlich genau zu der Art von Journalisten, die mich so ankotzen. Diejenigen die nicht zuhören und verstehen wollen, sondern lieber Ihr Meinung verkaufen, weil nur sie alleine den vollen Durchblick haben und die blöden Fachidioten von Wissenschaftlern alle nicht wissen, was sie da tun.

    P.S.: Ich hoffe, es stört nicht, wenn ich auf das vertraulichere Du umsteige. Außerdem nehmt das bitte nicht persönlich. Ihr seid jung und macht Fehler. Die machen wir alle, völlig klar. Aber gerade weil Ihr jung seid, hege ich die Hoffnung, dass Ihr vielleicht etwas aus meiner Kritik lernt.

  7. Laura Says:

    Hallo,
    erstmal vorweg, bevor es zu noch mehr Missverständnissen kommt: Ich bin durchaus der Meinung, dass der Klimawandel von Menschenhand gemacht ist und uns in die Verantwortung stellt, aber wenn ich Annes Text lese, (und das habe ich nun einige Male getan), kann ich keinen Hinweis finden, dass sie das bestritten hat.
    Einzige Aussage: Es gibt Forscher, (und zwar die echten Wissenschaftler, die nicht Hagen mit Nachnamen heißen) die auch die andere – man darf sie bewerten wie man möchte – Seite der Meinung unterstützen. Fertig. Und das ist eine Tatsache und so zu lesen.
    Ob man diesen Experten nun blindlings glaubt, egal ob es sich um Klimawandel oder andere Themen handelt, das ist doch nun die eigentliche Aufgabe des guten Journalismus und auch Inhalt des Vortrags: „Doch diese Zeiten seien vorbei: Heute sind die Wissenschaftsjournalisten kritischer geworden.“

    Ansonsten finde ich es klasse, dass unser Blog so viel Resonanz hervorruft, und Kritik ist wichtig – auch wenn man sich erst einmal daran gewöhnen muss… (:
    Berichtigt mich also gerne, wenn ich hier irgendwas quer gelesen habe.

    Liebe Grüße.
    Laura


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