Bezahlen werden wir so oder so

November 27, 2007

Die Photos von geschwollenen Gesichtern, ausgemergelten Körpern und großen eitrigen Blasen machen eines ganz deutlich: Ja, es gibt angenehmere Beschäftigungen als sich mit dem Thema „Epidemien und Seuchen“ auseinander zu setzen. Trotzdem wollte ich an dem Workshop unbedingt teilnehmen. Welche Epidemien gab es in der Vergangenheit, mit welchen haben wir in unserer heutigen Zeit zu kämpfen und wie sieht`s eigentlich mit Prognosen für die Zukunft aus? Alles Fragen, auf die ich Antworten wollte und die ich schlußendlich auch bekommen habe.

Die abschreckenden Zahlen ganz zu Anfang: In 15 Minuten sterben weltweit 30 Kinder an Malaria, 50 Menschen an Tuberkulose, 70 Menschen an AIDS und 200 an impfpräventablen(!!!) Krankheiten. Der größte Teil dieser Menschen sterben in der Dritten Welt, das ist wohl für niemanden neu. Dass man dagegen allerdings auch etwas tun kann, ignorieren leider die Meisten, frei nach dem Motto: „Das Thema betrifft mich nicht, warum sollte ich mich damit beschhäftigen?“. Dass dieser Gedanke ein Trugschluss ist, wird spätestens dann klar, wenn man sich bewusst macht, dass sich Seuchen über die ganze Welt verbreiten und auch vor Grenzen keinen Halt machen. Was also tun? Stefan Kaufmann, Infektionsbiologe aus Berlin, erklärt die Möglichkeiten. Großes Stichwort dabei: Zweipreissystem. Dabei zahlen die Menschen der Dritten Welt für Impfstoffe nur einen Bruchteil von dem, was die Menschen aus den Industrieländern für denselben zahlen würden. Zudem wurde in den USA beschlossen, dass ein bestimmter Teil der Steuergelder für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krankheiten eingesetzt werden, die in den Indusrieländern verhältnismäßig selten vorkommen. Während des gesamten Workshops machten die Experten eines ganz deutlich: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Jede Impfung kostet nur ein zwanzigstel von dem, was eine ausgebrochene Krankheit kosten würde.

Am Schluss gibt`s noch einen kurzen Überblick über die Ursache der Seuchenentstehung und Verbreitung (vorgestellt von Klaus Stöhr, Direktor im Bereich Impfststoffentwicklung bei Novartis):
– Armut oder Katastrophen (mangelnde Hygiene, keine Medikamente)
– Unvorsicht oder Missbrauch im Biosicherheitslabor (Virus gerät in Gesellschaft)
– (Natur)katastrophen
– der Klimawandel, also die Erderwärmung
– industrialisierte Massentierhaltung (multiressistente Stämme durch Missbrauch von Antibiotika)

Michael Greger, Director of Public Health an Animal Agriculture, klärte abschließend die Frage, ob wir die Vogelgrippe selbst ausgebrütet haben. Das H5 Virus wird wahrscheinlich die nächste Pandemie auslösen. 1918 gab es schonmal eine Pandemie des Virus. Kein Krieg forderte so viele Opfer in so kurzer Zeit. Impfstoffe stehen nur für einen Bruchteil der Weltbevölkerung zur Verfügung. Also sollte man diese Bedrohung ernst nehmen. Geflügel wird aber schon seit Jahrtausenden gehalten, warum werden die Vögel jetzt zu potenziellen Killern? Schuld sind die geänderten Bedingungen, unter denen die Tiere heute gehalten werden. Immer mehr Vögel werden auf immer weniger Raum zusammengepfercht. Die Tiere stehen unter Dauerstress, was eine Mutation der Viren noch weiter begünstigt. Zum Schluß gabs nochmal was zum Nachdenken (frei übersetzt): „Wir können jetzt oder erst später bezahlen, aber bezahlen werden wir.“

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4 Responses to “Bezahlen werden wir so oder so”

  1. Fischer Says:

    Ich will ja nicht kleinlich sein, aber folgender Satz ist sachlich falsch:

    *Die Tiere stehen unter Dauerstress, was eine Mutation der Viren noch weiter begünstigt.*

  2. Andreas Baumann Says:

    Was genau stimmt denn an dem Satz nicht? Das „weil“?
    Dieser Teil des Vortrags war auf Englisch und ich habe das eigentlich auch so verstanden.

  3. Fischer Says:

    Was gemeint war, ist wahrscheinlich folgendes: Der Stress schwächt das Immunsystem der Tiere, sie sind generell anfälliger für Erkrankungen. Unter solchen Bedingungen kann sich eine neue Virusvariante natürlich auch schneller ausbreiten.

    Mit dem Auftreten von Mutationen hat der Dauerstress nichts zu tun.

  4. Womie Mörstof Says:

    Also ich denke dies ist lediglich ne kurzfristige Trendgeschichte


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