Von Krabbeltieren, Ölteppichen und Mars-Kinos

November 27, 2007

Wie kommt man zum Mars und zurück? Was haben Prostata-Operationen mit Weltraum-Robotern zu tun? Und wie kann man die Erdbeobachtung kommerzialisieren? Viele Fragen, für die es jedoch nicht immer eine einzige Antwort gibt. Doch die drei Redner des Workshops zum Thema „Raumfahrt“ schlagen sich wacker. Professor Ralf Jaumann und Professor Gerd Hirzinger vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie Jörg Herrmann, der Geschäftsführer der Infoterra GmbH sprechen über Planetenforschung, Robotik und die Relevanz von Radarbildern, jeder zunächst in einem kleinen Vortrag, dann stellen sie sich den Fragen des Moderators und des Publikums.

Jaumann, der Direktor der DLR/NASA Regional Planetary Facility und stellvertretende Direktor der Instituts für Planetenforschung des DLR zeigt Bilder von Geysiren und Methanflüssen auf den Monden des Saturn und geht auf die spannende Frage nach dem Leben auf unserem Nachbarplaneten ein. „Wir wissen, dass es Wasser gibt und gab. Die Frage ist: Wie viel und wie lange gab es Wasser? Existierten Flüsse und Seen, in denen sich Leben hätte entwickeln können?“ Die Antworten darauf sollen zukünftige Marsmissionen geben. Aktuelle Fotos lassen zwar auf die Vergangenheit des Planeten schließen, doch nur Materialproben liefern die notwendigen Informationen – und dafür muss man nun mal hinreisen, auch wenn die Bilder begeistern.
Doch schon der Flug lässt eine Vielzahl von Problemen aufkommen. Die Sonnenwinde, vor denen uns das Magnetfeld der Erde schützt, sind nur eines von vielen Risiken, weshalb es einfacher ist, zunächst einen Roboter zum Mars zu schicken. Wie so einer aussehen könnte, zeigt Hirzinger, der Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik des DLR. Die Robotik ist in seinen Augen die mächtigste Technologie, um dem Menschen im Weltraum zu helfen. Auf der ISS gibt es bereits das Testobjekt ROKVISS, doch es wird nicht von der Erde aus gesteuert, sondern von den Astronauten selbst. Zukünftig sollen Roboter im Orbit Satelliten reparieren oder gezielt zum Absturz bringen. „Wir wollen, dass Roboter mit Satelliten Katz und Maus spielen können.“ Hirzinger stellt viele Ideen vor, teilweise verliert man den Überblick: Handelt es sich um eine Vision oder ein reales Projekt?
Manche der Maschinen erinnern an Menschen, haben Arme und Hände mit denen sie Bälle fangen, greifen und loslassen können. Andere sind eher für die Erforschung von Planeten gedacht, sie filmen und fahren auf Rädern umher oder wirken mit ihren sechs Beinen wie überdimensionale Krabbeltiere. Doch nicht nur im Weltraum können Maschinen nützliche Helfer sein. In den USA werden heute etwa 70 Prozent der Prostata-Operationen von menschlich gesteuerten Robotern durchgeführt, so Hirzinger. Und geplant sind „Assistenten“ für Ältere oder Behinderte, die alleine Schwierigkeiten im Alltag haben.
Ein völlig anderes Thema stellt Herrmann vor: Die Firma Infoterra erstellt Radarbilder der Erde. Mit der Umweltbeobachtung kann man das Ausmaß von Naturkatastrophen feststellen, Vorhersagen treffen und Szenarien simulieren. Durch die Radartechnik können scharfe Bilder der Erdoberfläche auch dann gemacht werden, wenn Wolken eine Region bedecken. Ein aktuelles Beispiel zeigt Herrmann mit einem Bild des schwarzen Meeres, das durch einen riesigen Ölteppich vor der Halbinsel Krim seinem Namen gerecht wird.
Bei der anschließenden „Diskussion“ entwickelt sich kein wirklicher Dialog, die Redner beantworten die Fragen, ergänzen sich mal, doch die Themenschwerpunkte unterscheiden sich stark, auch wenn Planetenforschung und Robotik teilweise zusammenhängen. Es wird politisch und philosophisch und Hirzinger schließt mit einer Vision: „Ich erhoffe mir Räume in Fußgängerzonen, in die die Menschen gehen, um sich zu entspannen, Räume in denen rundum Bilder vom Mars übertragen werden. Roboter liefern ständig neue Eindrücke, man erlebt den Planeten hautnah.“ Noch gibt es keine Mars-Kinos. Aber stellt euch mal vor: Wenn es anfängt zu regnen, ein kleiner Ausflug. Mutti setzt sich nach dem Shoppen in einen Massage-Sessel, während sich Klein-Kevin wundert, wieso sich der Boden unter ihm wie Glas anfühlt, aber steinig und rot aussieht. Für eine Viertelstunde die Erde verlassen, ohne Enterprise und Lichtschwert, dafür mit der Karstadt-Tüte bewaffnet. Willkommen an Bord, Frau Schmidt. Wir begrüßen Sie auf dem Mars! Die Toiletten finden Sie hinten links. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Service-Personal…“

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