55 Millionen Jahre in einem Haufen Matsch

November 29, 2007

krebs_b.jpgBereits über 1000 Menschen waren im Weltall. Die tiefste Stelle der Erde erkundigten erst zwei Personen – und das in einem Tauchgang. Wir klettern auf den Mount Everest, schicken Raketen zum Mond und entwickeln Roboter mit künstlicher Intelligenz und trotzdem sind uns erst weniger als zehn Prozent des Ozeans bekannt?

Das MARUM Forschungszentrum Ozeanränder geht diesem Phänomen auf den Grund und dieser liegt nicht selten 3000 Meter tief. Dazu benötigt man die richtige Ausrüstung und das ist in diesem Fall z.B. der „Crawling AUV“. Er sieht aus wie ein großes Spielzeugauto: Viele Metall-Stangen, quadratisch, tiefer gelegt und mit vier Rädern ausgestattet. Dadurch wird er besonders stabil, kann Elektroden, die nur so dick sind wie ein Haar, am Meeresboden platzieren und komplexe Geräte transportieren.

Ein weiteres Unterwassergefährt ist die „Quest“. Sie kann auch in 4000 Metern Tiefe videogesteuert mit ihren Armen Proben entnehmen und den Forschern über der Wasseroberfläche einen minimalen Eindruck von der faszinierenden Welt der Tiefsee vermitteln.

Den Namen „Imaging I“ trägt ein Unterwasserfahrzeug, das mit HDTV Kamerasystemen ausgestattet ist. Xenon Lichter ermöglichen es, bis fünf Meter entfernt aufzunehmen, denn ansonsten ist es dort unten zu dunkel um irgendetwas erkennen zu können. Mit Schwenk- und Neigeköpfen ausgerüstet, gelingt es diesem Gefährt in bis zu 5000 Metern Tiefe hochaufgelöste Videos aufzunehmen. Doch dazu sollen wir im Anschluss an eine kleine Führung mehr zu sehen bekommen.

Herr Albert Gerdes von der PR-Abteilung des MARUM und Dr. Gerrit Meinecke führen uns in eine riesige Lagerhalle, in der Sedimentbohrungen des Meeresboden aufbewahrt werden (Foto unten). Es riecht nach Matsch und es ist kalt, denn damit kein Bakterienwachstum in den Proben stattfindet, ist die Halle auf 4°C runtergekühlt. Das entspricht der mittleren Temperatur des Meeresboden. Seit 1963 werden Bohrungen vorgenommen, um unsere Vergangenheit zu erforschen. In einem Zentimeter können Informationen stecken, die tausend Jahre zurückreichen. Das ist jedoch nicht besonders praktisch, denn hätte man diese Information in dreißig Zentimetern wären die Erkenntnisse wesentlich detaillierter. Mittlerweile umfasst die Lagerhalle des MARUM in Bremen Bohrungen, die Sediment von vor über 55 Millionen Jahren enthalten.

matsch_b.jpgEs geht weiter zum Höhepunkt der Exkursion. Wir nehmen vor einer größeren Leinwand Platz und lassen uns beeindrucken von Lebewesen, von denen viele gar nicht wissen, dass sie überhaupt existieren. Spinnenartige Quallen, die sich gespenstig durch das Wasser bewegen, qualmende Vulkane, die „Schwarze Raucher“ genannt werden und Röhrenwürmer, die eigentlich gar nicht aussehen wie richtige Würmer. Eher wie Korallen, die ihre Blüten rausstrecken und ruckartig wieder einfahren wenn vermeintliche Gefahr in Verzug ist.

Faszinierend, diese Unterwasserwelt. Viel bunter und artenreicher als ich gedacht habe. Und in Anbetracht der Tatsache, dass wir erst zehn Prozent dieser „anderen Welt“ kennen, frage ich mich, wieviel mehr Unbekanntes es dort unten noch zu entdecken gibt. Während der gesamten Exkursion erinnere ich mich ständig an den Roman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing. Kein Wunder, denn im Anschluss erfahren wir, dass der Autor hier im MARUM für sein Werk recherchiert hat und Gerd Bohrmann, der eine Expertenrolle im Buch spielt, hier tatsächlich arbeitet.

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