Hallo, ich bin Journalist. Bitte legen Sie nicht auf!

November 29, 2007

In den vergangenen Tagen wurde in Bremen viel diskutiert: Über die Qualität, die beste Form und natürlich auch über die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus – am liebsten über den deutschen. Was außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik und auch anderen westlichen Industrienationen passiert? Davon dringt nur wenig durch. Wenn doch, dann sind das meist Themen wie Aids und Malaria oder schwere Naturkatastrophen.
Unter Moderation der freien Journalistin Antje Schmid waren sich die Teilnehmer von „Wissenschaftsjournalismus weltweit“ jedoch einig: Wissenschaft findet durchaus auch in Entwicklungsländern statt – das internationale Bewusstsein für diese Themen ist allerdings wenig ausgeprägt, auch weil dort qualifizierte Journalisten fehlen. Dies zu ändern und den Wissenschaftsjournalisten bei ihrer Arbeit unter die Arme zu greifen, daran arbeitet David Dickson. Als Direktor von SciDev.Net, einer Internetplattform für Wissenschaftsnachrichten aus Entwicklungsländern, kennt er die Bedingungen unter denen etwa afrikanische Journalisten zu arbeiten haben. Was angehenden WJ-lern Schweiß auf die Stirn treiben mag, ist für die dortigen Reporter durchaus Alltag, berichtete Dickson: „Die Wissenschaftler reden nicht mit Ihnen. Sie vertrauen Journalisten nicht und legen den Hörer auf.“ Auf eine Frage aus dem Publikum, woher denn dann nun Journalisten Informationen bekommen, erzählte Dickson Folgendes: „Ein Kollege hatte einen Workshop in Pakistan. Seine erste Frage an den Kurs: Wie gehen Sie mit Pressemitteilungen um? Die Reaktion eines Teilnehmers: Was ist denn eine Pressemitteilung?“
Fehlende Strukturen und wenig Interesse innerhalb der Bevölkerung machten aber nur einen kleinen Teil der Probleme aus, sagte Jean-Marc Fleury, Direktor des Weltverbands der Wissenschaftsjournalisten und damit „unser aller Arbeitgeber“. Oftmals gebe es auch religiöse und militärische Gruppierungen, die gegen Veröffentlichungen bestimmter Themen vorgehen.
Kein leichter Job.  Einer der ihn dennoch macht ist Isar Yussuf, Journalist aus Tansania, der wegen Visa-Problemen kurzfristig für Otulah Owuor eingesprungen war. Seine eindringliche Bitte: „Wir brauchen Hilfe von außen, um etwas zu ändern.“ Die Arbeit seiner beiden Vorgänger habe einiges verbessert, doch noch gebe es viel zu tun.
Bevor die Diskussion jedoch so richtig in Gang kam, war sie auch schon vorbei. Der Grund:  Die Stühle der Panelisten wurden in einem anderen Saal gebraucht…

Das Fazit:

  • Über eine Stunde lang einem Vortrag in Englisch zu lauschen kann ganz schön hart, aber auch höchst interessant sein.
  • Fehlende Stühle, die spannende Diskussionen vorzeitig beenden, sind ärgerlich.
  • Last, but not least: Wissenschaft wartet nicht nur in Europa, Japan und den USA, sondern (glücklicherweise) auch dort, wo sie mancher vielleicht gar nicht vermuten würde.

Viel zu tun, für uns angehenden Wissenschaftsjournalisten…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: