PR ist böse

November 17, 2008

PRler manipulieren und korrumpieren den Journalismus. PR ist sowieso eins: böse. Sagen Journalisten – oder wie es Prof. Klaus Kocks heute Vormittag im Eröffnungsvortrag ausdrückte: „Journalisten am Rand zur Selbstaufgabe“. Denn gute PR ist nicht durchweg nur Beeinflussung, sie ist auch die Pflege von Beziehungen. Dass beide Seiten daraus Vorteile ziehen, ist offensichtlich: Der Journalist Information, der PRler hofft auf eine in seinem Sinne positive Berichterstattung.

Die erste Anlaufstelle für Journalisten bei der Recherche ist nur allzu oft die Pressestelle. Diese liefert Informationen, Kontaktpersonen und Bilder. Was darüber hinaus geht, sprich alles was die Pressestelle nicht heraus gibt, ist dann die wirkliche Recherche-Arbeit.
Wie weit PRler und Journalist dabei gehen, ist eine Gewissensfrage (und auch immer öfter eine finanzielle). Dennoch: Wer sich auf PR einlässt, entscheidet das selbst. Aber ist das automatisch schlecht – oder nur ein Balanceakt?
In diesem Jahr quellt das Programm der Wissenswerte mit genau diesen Themen über: Schleichwerbung, gekaufte Redaktionen, finanzielle Abhängigkeit vom Anzeigengeber und so weiter. Alles rund um das Verhältnis PR und Journalismus. Das ganze Paket.
Interessant dabei: Die Pressesprecher und Kommunikationschefs großer Unternehmen stellen auf dem „Bremer Forum für Wissenschaftsjournalismus“ einen nicht geringen Teil Besucher. So ist der Microsoft Messestand zwar relativ versteckt am Rand, Bayer und Sanofi Aventis präsentieren sich da weitaus besser in der Mitte.
Besonders spannend wird es morgen. Dann geht es um die richtig böse PR: Pharma-PR. Vertreter von Sanofi Aventis und Bayer werden zum Thema: „Gekaufte Re(d)aktionen“ diskutieren. Der französische Pharmakonzern sponsort dabei nicht nur die Vergabe des Journalistenpreis heute Abend – zusammen mit BASF ist er offizieller Sponsor der Wissenswerte.

Eine Veranstaltung, die über Beeinflussung durch PR diskutiert – und sich selbst von Unternehmen sponsern lässt. Ist das nun böse – oder einfach clever?

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2 Responses to “PR ist böse”

  1. Leser Says:

    Was ein netter Artikel. 🙂 Lesenswert.

    Hmhm…ich hab gehört BASF sponsert auch ganze Studiengänge. Ist das auch böse? Oder nicht clever? 😉

    Ich würde jedenfalls auf dieser nicht einen geschenkten Kugelschreiber annehmen. Wer weiß was als Gegenleistung erwartet wird!


  2. […] auf Anfang. Wir haben gelernt, dass PR nicht durchweg böse und Journalisten nicht per se heilig ist. Das war schockierend genug. Jetzt hat aber auch noch die Pharma-Industrie den Schwarzen Peter beim […]


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