3:26 Minuten Handlungsdauer, dann Störung

November 18, 2008

Jacob Vicari (r.) verglich über mehrere Wochen den Arbeitsalltag

Sorgte für Interesse: Jacob Vicari (r.) verglich über mehrere Wochen den Arbeitsalltag verschiedener Wissenschaftsredaktionen. Foto: Alexander Roßbach

Am Nachmittag hat ein Wissenschaftsredakteur zwar fast doppelt so lange Zeit, bevor er seine aktuelle Handlung für etwas anderes unterbrechen muss – das macht die Sache aber auch nicht besser. Das sind zwei Ergebnisse aus einer Studie von Jakob Vicari, die er im Rahmen seiner Diplomarbeit an der LMU-München durchgeführte.

Sechs Minuten: Da wird das Aufbereiten der Inhalte für die nächste Ausgabe zum ständigen Kampf mit der Unterbrechung – und Fachartikel im Dreiminutenrhytmus des Vormittages zur Stückkost. Wie kommt man zu so einem Ergebnis? Indem man die Redaktionen nicht, wie sonst üblich, nur befragt, sondern sich auch die Verhältnisse vor Ort genau anschaut. So beobachtete Vicari vier Redaktionen insgesamt 160 Stunden lang bei ihrer Arbeit. Stoppuhr und Protokoll immer griffbereit. Deutlich wurde auch, dass ein Redakteur 75 Prozent einer typischen Stunde mit Sammeln, Textproduktion und medienvermittelter Kommunikation beschäftigt ist. Dabei steht einem typischen Wissenschaftsjournalist immerhin noch eine gute Minute mehr unterbrechungsfreie Zeit zur Verfügung als dem Kollegen im Online Ressort. Dem Kollegen im Radio bleiben jedoch deutlich über viereinhalb Minuten zur Konzentration. Dass der zerhackstückelte Alltag in vielen Wissenschaftsredaktion der Sache dient, ist sehr unwahrscheinlich. Schließlich ist für komplexe Themen eine gewisse Konzentration nötig. Sicher braucht es auch längere Beschäftigung mit mit ihnen. Andereseits ist der redaktionelle Alltag immer schon einer der stressigsten gewesen. So ist dies sicher kein Armutszeugnis des redaktionellen Arbeitens, sondern eher eine Herausforderung, der sich Redakteure und angehende Journalisten stellen müssen. Sie müssen oder haben einfach gelernt, damit umzugehen – was in den untersuchten Redaktionen sicher der Fall ist. Wie sie so täglich handeln, um ihre Seiten zu füllen ist nachzulesen in der Diplomarbeit „Unter Wissensmachern – Eine Untersuchung journalistischen Handelns in Wissenschaftsredaktionen“. Sicher ist eine so kleine Studie nicht representativ, aber sie gibt einen Einblick in die tägliche Arbeit von Wissenschaftsjournalisten und lässt Schlüsse zu.

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