Glaubwürdigkeitslücke

November 18, 2008

Na, drückt es schon hinter dem Ohr? Da wächst demnächst ein Tumor vom vielen Handytelefonieren. Echt jetzt. Oder eben auch nicht. Das war jedenfalls das Thema meines ersten Workshops heute: „Mobilfunk: Kann Strahlung die Gesundheit gefährden?“

Diese umfassende Fragestellung hat die Referenten natürlich ein bisschen überfordert.

Zwei Vortragende haben sich dem auch elegant entzogen, indem sie sich auf Teilaspekte beschränkten – der Bremer Biologe Lerchl einerseits auf die Ergebnisse von Tierversuchen, zum anderen auf die berüchtigten Wiener Fälschungen, Herr Schüz von der Dänischen Krebsgesellschaft auf Methodik und Probleme bei einer dänischen Kohortenstudie. Damit wird man der Komplexität des Themas zwar nicht gerecht, die Vorträge haben mir trotzdem sehr gut gefallen.

Der dritte Referent, Herr Neitzke vom ECOLOG Institut, hat sich an einer umfassenden Darstellung des Kenntnisstandes versucht und ist daran meines Erachtens auch prompt gescheitert. Und zwar in einer Weise, dass ich mich über ihn geärgert habe.

Da stellt Neitzke zum Beispiel gleich am Anfang völlig zutreffend fest, dass man etwa 80% aller Studien zum Thema „im Grunde in die Tonne treten“ könne. Das hindert ihn aber nicht, später unterschiedslos alle Untersuchungen in seinen großen Topf für die Zahlenspielereien zu schmeißen. Mit der statistischen Signifikanz der von ihm zitierten Positivbefunde ist er ziemlich nachlässig umgegangen, ganz abgesehen von dem Umstand, dass man die Aussagekraft des Signifikanzniveaus in diesem Zusammenhang dringend hätte diskutieren müssen. Ich vermute, seinen Mitreferenten wäre dieses Versäumnis nicht unterlaufen.

Das umso mehr, weil er sich dann in meiner Meinung nach fragwürdiger – will sagen: einseitiger – Weise über Interessengelenkte Publikationen auslässt. Wenn man einerseits feststellt, dass industriefinanzierte Studien deutlich seltener „mindestens einen statistisch signifikanten Effekt“ finden, ist das legitim. Man darf die Daten dann aber nicht unhinterfragt so präsentieren, als seien öffentliche oder von gemeinnützigen Organisationen finanzierte Studien grundsätzlich neutral.

Das soll jetzt nicht den Eindruck erwecken, Herr Neitzke habe von vorne bis hinten Unsinn erzählt. Davon kann gar nicht die Rede sein. Gegenüber seinen Kollegen ist er trotzdem deutlich abgefallen, und das ist ein bisschen schade drum.

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