Investigativ unterwegs…

November 18, 2008

Alexander Roßbach

Fehlende Lust oder mangelnde Skepsis: Prof. Dr. Georg Krücken (v.l.) von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, Redakteur der VDI Nachrichten Dr. Wolfgang Mock, Moderatorin Prof. Dr. Anette Leßmöllmann, Dr. Frank Stäudner, Presse-sprecher des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und Josef Zens, Pressesprecher der Leibniz-Gesellschaft. Foto: Alexander Roßbach

Forschungspolitik – das unentdeckte Land. Auf dem Podium „Wissenschafts-politik – der blinde Fleck des Wissenschaftsjournalismus“ wurde über den Einfluss der Politik auf die Wissenschaft diskutiert. Sehen Wissenschaftsjournalisten diesen Bereich des Ressorts überhaupt? Haben sie keine Ahnung oder einfach keine Lust?

Für Josef Zens, Pressesprecher der Institutsgemeinschaft Leibniz, wird zu wenig über Wissenschaftspolitik berichtet: „Hier werden Geschichten verschenkt.“ Er kennt beide Seiten. Einst als Redakteur bei der Berliner Zeitung, heute als PR-Stratege. Die vielen Geschichten hinter den Pressemitteilungen kenne er. Und plädiert für mehr Hingabe zu den politische Ebenen der Wissenschaft. Dies werde kampflos an Wirtschafts- oder Politikressort abgegeben.

Ein Phänomen: Wissenschaftsjournalisten wollen oft mit Politik nichts zu tun haben. Dabei wird, behauptet Dr. Wolfgang Mock, „auf allen Ebenen der Verwaltung systematisch gelogen“; Unverständnis für die freiwillige Aufgabe. Nicht nur Zellen seien es wert erklärt zu werden, sondern auch die Zahlen von Forschungsetats. Der Eindruck des Redakteurs der VDI Nachrichten: Oft unterliege redaktionelle Berichterstattung politischen Agenden. Davon müsse sich gelöst werden, so Mock. „Wissenschaft hängt am finanziellen Tropf und unterliegt Verteilungskämpfen“, sagte Mock. Und beteiligte Figuren möchten diese „Konfliktlinien“ verschleiern – eine Grauzone, die es zu beleuchten gilt. Emanzipation ist das Stichwort.

Nur die Überbringer der guten Nutzwertnachrichten? Der blinde Fleck entsteht, wo Journalisten lieber entgegen nehmen, als selber zu suchen. Wo sie die Skepsis einmauern anstatt tiefer zu bohren. Das Plädoyer: Rüstzeug aus beiden Bereichen aneignen und mehr „bohren“, so Mock. Sowohl in Wissenschaft als auch Politik. Mit starken Geschichten und sauberer Recherche aus dem Haifischbecken politischer Interessen bekäme das Ressort Wissenschaft in Redaktionen schweres Gewicht.

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