„Shut up, if you do not want to publish!“?

November 18, 2008

Wissenschaftler wissen viel! Aber nicht immer wollen sie dieses Wissen auch schon früh mit der Öffentlichkeit teilen. Haben sie ein Recht darauf ihre wissenschaftlichen Ergebnisse erst mit ihren Kollegen zu besprechen und danach damit an die Presse zu gehen? Oder haben sie – die größtenteils mit öffentlichen Geldern forschen – nicht die Pflicht die Gesellschaft über jeden Schritt ihrer Arbeit zu informieren?

 

Embargo kontrovers – hieß es heute bei der Diskussion mit Prof. Dr. Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster, führender Stammzellforscher in der deutschen Wissenschaft. Anlass der Diskussion war ein Artikel von Joachim Müller-Jung, Leiter des Wissenschaftsressorts der FAZ, anlässlich einer Stammzelltagung in Dresden. Er schrieb über eine „bahnbrechende Entdeckung“  in der Stammzellforschung von Schöler und seinem Team. Das Problem: Die Infomationen dazu waren nicht für die Presse bestimmt, weil sie laut Schöler noch ungesichert waren. Er habe nicht gewusst, dass an der Tagung auch Journalisten anwesend waren und dachte er sei mit den Wissenschaftlern „unter sich“.

Schölers Reaktion auf den Artikel fiel heftig aus: Einen Vortag bei einer nachfolgenden Konferenz brach er, mit der Begründung es seien Journalisten anwesend, ab. Die Angst vor einer falschen Berichterstattung sei zu groß. Er wirft Müller-Jung vor, er habe Tatsachen falsch dargestellt und damit Hoffnungen bei Betroffenen geweckt, die im Moment noch nicht zu erfüllen seien.

Und jetzt? Heißt das es darf nur noch über Themen geschrieben werden, die schon publiziert wurden? Werden Wissenschaftsjournalisten damit nicht zu „Übersetzern von Nature-Texten“? Oder ist es sinnvoll Journalisten einen Maulkorb anzulegen, um zu verhindern, dass ungesicherte Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen und dadurch falsche Hoffnungen wecken?

Die Lösung liegt wohl irgendwo dazwischen. Für Wissenschaftsjournalisten können auch Informationen wichtig sein, die sie nicht direkt veröffentlichen dürfen. Beispielsweise als Hintergrundinfo um ein Thema richtig einschätzen zu können. Generell ist es wichtig, dass klare Absprechen zwischen Journalist und Wissenschaftler getroffen sind: Wieviel darf ich wann und mit welchen Namen veröffentlichen. Beide Parteien sind voneinander abhängig und kommen ohne einander nur schwer aus. Zugegeben, zufriedenstellend ist dieses Ergebnis noch nicht sonderlich! Also? Hat jemand ein Patentlösung, die bisher noch nicht aufgekommen ist?

Nette Vergleiche von zwei Zuhörern zu dem Problem: Wenn ein neues Gesetz im Gespräch ist, ist es dann sinnvoll darüber erst zu berichten, wenn es schon beschlossen ist? Andererseits: Wenn jemand herausfindet, dass ein bestimmtes Material eventuell für den Achsenbruch eines ICEs verantwortlich war, sollte man das öffentlich breit treten und Bahnfahrer damit verunsichern – obwohl es dazu vielleicht gar keinen Grund dazu gibt?

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One Response to “„Shut up, if you do not want to publish!“?”

  1. DerOli Says:

    Ich würde sagen es ist im Interesse aller, wenn die Journalisten sich freiwillig etwas zurückhalten. Warum? Weil: Wissen ist der Wissenschaftler Kapital. Klar ist es mit öffentlichen Geldern bezahlt, aber auch diese muss man sich erst erarbeiten. Und wenn das Wissen auf Konferenzen nicht „sicher“ ist, passiert genau das was in der Überschrift angedeutet wird: Die Wissenschaftler halten den Mund und erzählen olle Geschichten von früher. Das ist aber verheerend, da die direkten Diskussionen nach einem Vortrag immens wichtig für den wissenschaftlichen Diskurs sind. Am Ende verlieren alle: Die Journalisten Schlagzeilen – die Wissenschaft dynamik.


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