Das lang ersehnte Interview

November 28, 2007

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Welt der Wunder Moderator Hendrik Hey stellte sich freundlicherweise spontan für ein Interview zur Verfügung.

  

Esra: Wie sehen Sie die Zukunft von Wissenschaft im Fernsehen?

Hey: Das sehe ich ganz positiv. Es gibt in der Zwischenzeit ganz viele Wissenschaftsformate. Und es entstehen Weitere. Man sieht an der Nachfrage der Zuschauer, dass es sie interessiert und dann läuft es auch.

 

Esra: Wie haben sich Wissenschaftsformate in den Medien entwickelt?

Hey: Als wir damals angefangen haben gab es 3 Formate. Es gab diese Klassiker: Quarks & Co und Abenteuer Forschung. Jetzt existieren meines Wissens um die 40 bis 45 Formate dieser Art.

 

Esra: Wissenschaft ist für die meisten Menschen abschreckend. Denken Sie, dass Sendungen wie Galileo und Welt der Wunder dazu beitragen dass der „Otto-normal Mensch“ seine Hemmschwelle zu wissenschaftlichen Themen verliert?

Hey: Ja, absolut. Die Aufgabe von Welt der Wunder ist es sehr komplexe naturwissenschaftliche Zusammenhänge vereinfacht zu erklären. Nicht vollständig. Aber so, dass ein Laie es nachvollziehen kann. Der Biochemiker ist auch ein Amateur, wenn es um Astronomie geht. Da unterscheidet er sich gar nicht von einem Taxifahrer oder einer Hausfrau. Allen hilft es, wenn man Dinge einfach erläutert. So dass man zumindest eine Idee bekommt, worum es geht. Wenn es dich dann interessiert hast du einen ersten Einstieg gefunden und kannst weiter lesen. Das ist eine Übersetzungsleistung, die wir leisten, um die Scheu von sehr komplexen Sachen zu nehmen. Da hilft natürlich auch das Bild neben dem Text.

 

Esra: Hat das TV-Format dadurch einen Vorteil gegenüber dem Radio?

Hey: Ja. Das geht aber auch im Radio. Ursprünglich habe ich für das Radio gearbeitet. Auch da kann man das umsetzen. Man muss dann besser mit Worten arbeiten.

 

Olga: Wie sind sie zu „Welt der Wunder“ gekommen?

Hey: Ich bin klassischer Journalist. Ich habe vor „Welt der Wunder“ auch andere Sendungen produziert. Und fand damals diese Aufgabe ein Wissenschaftsmagazin zu machen reizvoll, weil es das nicht gab. Zumindest nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Anfang der siebziger Jahre strahlte WDR die Sendung „Querschnitt“ aus. Das war eine sehr populäre Wissenschaftssendung, die einfach verständlich war. Ich fand es sehr schade, dass es irgendwann abgeschafft wurde und dachte mir: So was muss es doch wieder geben. Das war der Ansatz eine Form zu finden, die populär, breit und allgemein verständlich ist. Außerdem sollte es Spaß machen.

 

Esra: Nach welchen Kriterien werden die Themen ausgewählt? Spielt das Feedback von den Zuschauern dabei eine Rolle?

Hey: Wenn die Zuschauer in ihren Briefen und E-Mails gute Ideen für Themen haben, dann machen wir das auch. Wir haben ein sehr breites Netzwerk an Informanten, die uns standardmäßig informieren, wenn sie etwas Neues machen. Daneben überlegt man auch häufig, ob es einen selber interessiert. Die Autoren fragen sich zum Beispiel: Woher kommt Staub? Mit so einer Frage fängt die Recherche an. Manchmal fallen auch Sachen durch, die wir schon „anrecherchiert“ haben. Das passiert allerdings sehr selten. Wir haben zu jedem Thema etwas Neues zu erzählen.

 

Esra: Wie viele Autoren beschäftigen Sie?

Hey: Wir haben um die 13 Autoren.

 

Esra: Welche Aufgaben übernehmen die Autoren?

Hey: Jeden Montag gibt es eine Redaktionssitzung, in der die möglichen Themen der Sonntagssendung besprochen und verteilt werden. Ab und zu kommt es vor, dass sich der Vorschlag nicht bewahrheitet. Man findet dann einen anderen Aspekt an dem weitergearbeitet wird. Von der Idee zum Beitrag dauert es drei Monate. Auf dem Weg dahin kann auch mal was ausgetauscht werden. Bis zum Ende wird daran geschnitzelt und gearbeitet.

 

Esra: Was unterscheidet Welt der Wunder von Galileo?

Hey: Welt der Wunder ist eher eine Wissenschafts- und Galileo eine Wissenssendung. Bei uns geht es öfter um naturwissenschaftliche Themen. Galileo ist mehr ein Magazin, das versucht Produktionsabläufe zu erklären. Wenn wir solche Abläufe zeigen, erzählen wir auch über die Wissenschaft, die dahinter steckt.