Ein paar Zahlen

November 17, 2008

Über 500 Teilnehmer hat die Wissenswerte und die Messe Bremen freut sich über eine kontinuierliche Steigerung der Teilnehmerzahlen seit dem Beginn 2004, berichtet Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Messe . Ein paar Zahlen: Darunter seien 66 Prozent „reine“ Journalisten, 27 Prozent der Teilnehmer arbeiteten (auch) in der PR, 6 Prozent seien „reine“ Wissenschaftler.

So viele Journalisten? Wow. „Es gibt sie noch, die guten Dinge?“

Passend dazu berichtet daraufhin Frank Stäudner, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, von einem Brief an an den Chefredakteur der Berliner Zeitung: Man wolle einen starken Journalismus, besonders auch einen starken Wissenschaftsjournalismus. Also: eine starke vierte Macht.

Überrascht, dass einen solchen Brief PR-Leute schreiben? Nein. Wie oft hört man aus den PR-Abteilungen die Frage: „Wo sind sie, die Journalisten, die auch mal kritisch nachfragen? Wieso drucken die alles ab, was man ihnen schickt?“ Den PR-Leuten fehlt das Gegenüber, das Gegengewicht.

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Wasserschlangen, Skorpione und ein Skarabäus. Nein, die Exkursion anlässlich der Wissenswerte führte nicht in den Bremer Zoo, sondern zum Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Hier wurden unter anderem die „intelligenten“ Roboter Scorpion und Scarabeus vorgestellt. Doch ist Intelligenz bei Maschinen überhaupt möglich? Was ist eigentlich Intelligenz? Die Beantwortung dieser Frage ist keine einfache Aufgabe. Halten wir uns an die Erklärung eines Fremdwörterlexikons, handelt es sich dabei um den Sammelbegriff kognitiver Fähigkeiten, also verstehen, abstrahieren, Zusammenhänge erkennen und Problemlösungen finden. Intelligent ist derjenige, heißt es weiter, der zur Erkenntnis fähig ist.

Kletterroboter AramiesBeschäftigt man sich näher mit diesen Definitionen, stellt man fest, dass der Begriff der künstlichen Intelligenz gar nicht so weit hergeholt ist. Auch Roboter können mit diesen Fertigkeiten ausgestattet werden. Sie können beispielsweise „Mapping“ betreiben, sich also eine Karte der Umgebung aufbauen und sich innerhalb dieses direkten Umfeldes selbst lokalisieren. Sie verfügen über die Fähigkeit ihre Geschwindigkeit einzuschätzen, Hindernisse zu erkennen und sie selbstständig zu umfahren. Natürlich besitzen diese Maschinen weder Emotionen noch soziale Kompetenzen, aber sie sind so programmiert, dass sie Schlüsse ziehen können, zum Beispiel, dass sie die Richtung ändern müssen, damit sie nicht gegen eine Barriere fahren.

Die Entwicklung der Roboter wird immer weiter voran getrieben und so berichtet Professor Dr. Frank Kirchner, Leiter der Forschungsgruppe Robotik im DFKI, von zukünftigen Technologien. Es wird an Innovationen gearbeitet, die ein „Vor-Ort-Gefühl“ vermitteln sollen. Dabei soll zukünftig sogar ein haptisches Feedback an den Benutzer möglich sein. „Dass ein Fisch glitschig ist, wird der Roboter aber nicht erkennen, oder?“ lautet eine der Fragen an den Experten Kirchner. Die unglaubiche Antwort lautet: Doch. Eine Rutschsensorik soll auch das irgendwann möglich machen. „Noch reichen heutige Technologien dafür aber nicht aus“, erklärt der Professor. Anderes ist dafür aber auch aktuell schon machbar.

Die Forschungsgruppe Robotik des DFKI arbeitet in insgesamt fünf Bereichen an technologischen Neuerungen. Dazu gehören die Unterwasserrobotik, die Search-and-rescue-Sicherheitsrobotik, die Weltraumrobotik, die Logistik- und Produktionsrobotik und die kognitive Robotik.

In der Unterwasserrobotik ist besonders die Unterwasserschlange Mehen erwähnenswert. Sie bewegt sich fast natürlich im Wasser und ohne einen Propeller zu benötigen. Damit können marine Umgebungen inspiziert werden, ohne die Fauna und Flora des Wassers zu beschädigen. Auch der CManipulator ist zur Arbeit unter Wasser entwickelt worden. Dieses Unterwassersystem soll für Inspektions- und Wartungsaufgaben eingesetzt werden. Mit seiner 500-kg-Druckkraft im Arm soll der CManipulator autonom greifen, absetzen und stecken können.
Securityroboter sind hingegen zur Interaktion mit Wachmännern gebaut worden. Dabei sollen sie so einfach zu handhaben sein, dass die Wachmänner ganz ohne Schulung und mit normaler Sprache mit ihnen kommunizieren können. Diese Idee ist übrigens nicht ganz uneigennützig enstanden. In das DFKI-Labor ist schon mehrfach eingebrochen worden. Da liegt es doch auf der Hand, dass da ein Roboter zur Hilfe eingesetzt werden muss. So werden bald einige Wachroboter nachts in den Laborräumen patroullieren.
Search-and-rescue-Roboter sind zu noch mehr fähig. Sie werden zukünftig von Feuerwehr, THW und anderen Rettungsteams eingesetzt, um bei Erdbeben und Großbränden dann helfen zu können, wenn menschliche Einsatzkräfte nicht mehr weiter kommen würden, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden. Roboter können so auch schneller bei Opfern sein, da sie sich nicht um persönliche Gefahren sorgen müssen.

In der Weltraumrobotik sind der Laufroboter Scorpion und der Kletterroboter Aramies zwei herausragende Projekte. Scorpion wurde ursprünglich für Marsexpeditionen entwickelt, um dort Stein- und Kraterabhänge meistern zu können. Scorpion Nun soll er aber auch für komplizierte Outdooreinsätze auf der Erde nützlich sein. Sein Name kommt nicht von ungefähr. Mit seinen acht Beinen erinnert er tatsächlich an einen Skorpion. Praktischerweise kann man ihn per Sprache aus der Entfernung steuern, was ein Exkursionsbesucher auch gleich selbst ausprobieren durfte. „Gehe rechts, links, vorwärts, rückwärts, mach dich größer oder kleiner“, der Scorpion tut was man ihm sagt. Der Kletterroboter Aramies ist ebenfalls für den Einsatz im Weltraum gedacht. Er ist in der Lage extreme Steigungen, nämlich bis zu 70°, zu überwinden. Er wurde mit Laser- und Infrarotsensoren und einer Farb-und Kantendetektion ausgestattet, womit er die Fußablageflächen errechnet und so selbstständig klettern kann.

In der Logistik kann man insbesondere den Roboter Mitsubishi PA 10-7C zukünftig helfend einsetzen. Laut Professor Dr. Bernd Krieg-Brückner, dem Leiter der Forschungsgruppe sichere kognitive Systeme des DFKI, gibt es in der Industrie einen Mangel an Arbeitskräften. Besonders beim Ein- und Ausladen schwerer Waren aus Containern stünde nicht genügend menschliche Arbeitskraft zur Verfügung. Out-sourcing ist in diesem Fall schlecht möglich, da Container schließlich vor Ort be- und entladen werden müssen. Hier soll bald der Roboter zum Einsatz kommen. Der besondere Clou am Mitsubishi ist seine Fähigkeit, die Beschaffenheit einer Ladung zu erkennen. Ob weich oder hart, durch einen kurzen Test bestimmt er den Härtegrad des Gegenstandes und berechnet dann, wieviel Kraft gebraucht wird, um das Objekt zu bewegen. Das ist gerade bei deformierbaren Materialien wie Kaffeesäcken wichtig.
Diese Innovation ist besonders für die Industrie von Bedeutung.

Im Leben gehbehinderter Menschen ist bald vielleicht der Rollstuhl Rolland wichtig. Per Kopfsteuerung und Lagewinkelmesung ist er auch für diejenigen zu nutzen, die aufgrund einer Lähmung keinen Joystick mehr verwenden können. Vor oder zurück, rechts, links, der Rollstuhl reagiert auf leichte Kopfbewegungen. Exkursionsteilnehmer Jan wundert sich: „Und was passiert, wenn der Rollstuhfahrer Schnupfen hat?“ Keine dumme Frage, wenn man bedenkt, dass der Rollstuhl dann eigentlich nach vorne schießen müsste. Der Entwickler des Rollstuhls beruhigt. Solche Bewegungen müssen ausgefiltert werden, genauso wie ruckartige Reaktionen auf die Beschleunigung.

Den fünften Bereich der Robotik im DFKI, nämlich die kognitive Robotik, bezeichnet Prof. Kirchner als „Spielwiese“ der Entwickler. Alles in diesem Sektor sei noch weit weg von der praktischen Anwendung.

Insgesamt ist mit Robotern also viel möglich, aber auch nicht alles, weiß Professor Krieg-Brückner: „Wenn ich schon als Mensch weiß, dass ich das nicht hinkriege, kann ich das von einem Roboter erst recht nicht erwarten.“ Zusammengefasst sei gesagt, dass man sich sicher darüber streiten kann, ob man Roboter tatsächlich als intelligent bezeichnen kann oder nicht. Fest steht für mich, dass die Intelligenz ihrer menschlichen Entwickler jedoch kaum jemand anzweifeln wird. Erst recht nicht nach solch einer Exkursion in das DFKI.

Videos zu den Robotern kann man sich hier ansehen.

Bildung basiert auf Emotionen

November 30, 2007

„Schon im Mutterleib werden die Weichen gestellt für neuronale Entwicklungsprozesse“, erklärt der Neurobiologe Professor Gerald Hüther zum Thema frühkindliche Bildung während des Workshops anlässlich der Wissenswerte. Doch das wird oft falsch verstanden.“Dabei geht es nicht darum das Kind schon im Bauch der Mutter mit Chinesisch- oder Englischvokabeln zu beschallen“, berichtet er weiter.“Lernen muss über Emotionen vermittelt werden!“

Hüthers Erkenntnissen nach sind Lernerfahrungen immer an emotionale Zustände gekoppelt. Das sei bereits ein pränatales Phänomen. Fühlt sich eine Schwangere zum Beispiel beim Hören klassischer Musik besonders wohl, entspannt sich ihre Bauchdecke, das ungeborene Kind bekommt mehr Platz und verbindet die Musik somit mit einer angenehmen Erfahrung. Gegenteilig ist das ebenso möglich. Erfährt die Mutter etwas, was sie unter Stress setzt, spannt sich die Bauchdecke an und der Embryo wird zusammengrdrückt. Der Input von außen wird ebenfalls mit einem unangenehmen Gefühl gekoppelt. Wiederholen sich die erlebten Situationen, festigen sich die Assoziationen. „Je mehr man sich anstrengt, desto höher ist die Verspannung und desto eher kann das ins Gegenteil umschlagen“ bemerkt Hüther.

Das geschieht besonders im Bereich Bildung. Der Begriff Lernen scheint negativ belastet zu sein. Dafür ist laut Hüther unter anderem der gesellschaftliche Ruf nach Leistung verantwortlich. In Zeiten von Pisa und Iglu lastet ein großer Druck auf Eltern und Kindern. Im Leistungsfähigkeitsvergleich möchte niemand hinten an stehen. Die Eltern haben Angst etwas zu verpassen, so dass die Kinder später im globalen Wettbewerb nicht mithalten können. Der Hirnforscher ist sich sicher:
„Das Hauptproblem momentan sind die Eltern. Sie suchen in ihrer Verunsicherung einen Strohhalm an den sie sich klammern können, weil sie alles richtig machen wollen. Sie wissen allerdings nicht, wie man es richtig macht.“ In ihrer Verunsicherung würden Eltern dann oft zu Methoden greifen, die zu ihren Zeiten scheinbar funktioniert haben, nämlich
Disziplinierung und Druck.

Mit dem Versuch von Disziplinierung würde man laut Hüther allerdings nur Ungehorsamkeit erreichen. Laut ihm kommt es darauf an, den Kindern die Möglichkeit zu geben ihre Persönlichkeit zu entfalten und ihnen damit optimale Entwicklungschancen zu ermöglichen. Es ginge nicht darum Kindern Wissen mit zu geben und sie für bestimmte Zwecke funktionieren zu lassen, sondern ihre Grundbedürfnisse nach Zuneigung, Freiheit, Autonomie und Dankbarkeit zu erfüllen. „Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, können Kinder ihre Potentiale nicht mehr entfalten und keine Bindungsfähigkeit oder positives Selbstbild herstellen“, erklärt der Neurowissenschaftler weiter. „Kinder müssen sich als wirksam empfinden, bemerken, dass sie etwas bewirken können. Das ist wohl das aller wichtigste, was man Kindern mitgeben kann! Und das kann man nicht lehren, sondern man muss den Kindern die Möglichkeit geben es selbst zu erfahren.“

Dabei soll es besonders wichtig sein, dass das Gelernte Bezug zum Leben der Kinder hat. Es sei eine ungünstige Erfahrung, wenn man Lernen muss, obwohl es keinen Sinn ergibt. Beispielsweise der Nutzen von Disziplin muss von den Kindern in der Praxis selbst erfahren werden. Hierzu gibt Hüther das Beispiel des Marshmallow-Tests.

Der Test wurde in den 60iger Jahren von Walter Mischel durchgeführt. Dabei wurde ca. 100 etwa 4 jährigen Kindern ein Marshmallow vorgesetzt. Nun wurde ihnen gesagt, dass sie die Süßigkeit essen dürfen, wann sie möchten. Könnten sie allerdings 15 Minuten warten, bis der Versuchsleiter wieder kommt, würden sie als Belohnung einen zweiten Marshmallow erhalten. Nach 20 Jahren wurden die ehemaligen Versuchsteilnehmer wieder eingeladen und befragt. Man stellt fest, dass die Menschen, die die selbstregulatorische Kompetenz besaßen auf den zweiten Marshmallow zu warten, ihr Leben besser meistern konnten. Sie schienen mit Streß besser umgehen zu können, bessere Bindungen und Partnerschaften eingehen zu können, verlässlicher, vertrauenswürdiger und beruflich erfolgreicher zu sein.
Hüther fasst die Erkenntnisse des Tests knapp zusammen: „Die Botschaft heißt also: Wir müssen mehr dafür tun, dass unsere Kinder 15 Mnuten auf einen Marshmallow warten können.“

Und das ginge nur in liebevoller Beziehung zu Lehrern, Erziehern und Familie. Kinder müssten nicht nur funktionieren und sich Wissen aneignen, sondern man bräuchte umsichtige, flexible Kinder, die auf andere inspirierend wirken. Je wohler sich Kinder beim Lernen fühlen würden, desto besser gelänge ihnen alles. „Wenn einmal negative Erfahrungen, zum Beispiel in Bezug auf das Lernen erfahren wurden, reicht es nicht mehr, durch Überzeugungsarbeit etwas daran zu ändern. Das geht nur durch neue positive Erfahrungen!“ erklärt der Hirnexperte.

„Unter Angst und Druck kann man sein Gehirn nicht nutzen. Und so vergeuden wir das Wichtigste was wir haben – die nachwachsende Generation“

Die Photos von geschwollenen Gesichtern, ausgemergelten Körpern und großen eitrigen Blasen machen eines ganz deutlich: Ja, es gibt angenehmere Beschäftigungen als sich mit dem Thema „Epidemien und Seuchen“ auseinander zu setzen. Trotzdem wollte ich an dem Workshop unbedingt teilnehmen. Welche Epidemien gab es in der Vergangenheit, mit welchen haben wir in unserer heutigen Zeit zu kämpfen und wie sieht`s eigentlich mit Prognosen für die Zukunft aus? Alles Fragen, auf die ich Antworten wollte und die ich schlußendlich auch bekommen habe.

Die abschreckenden Zahlen ganz zu Anfang: In 15 Minuten sterben weltweit 30 Kinder an Malaria, 50 Menschen an Tuberkulose, 70 Menschen an AIDS und 200 an impfpräventablen(!!!) Krankheiten. Der größte Teil dieser Menschen sterben in der Dritten Welt, das ist wohl für niemanden neu. Dass man dagegen allerdings auch etwas tun kann, ignorieren leider die Meisten, frei nach dem Motto: „Das Thema betrifft mich nicht, warum sollte ich mich damit beschhäftigen?“. Dass dieser Gedanke ein Trugschluss ist, wird spätestens dann klar, wenn man sich bewusst macht, dass sich Seuchen über die ganze Welt verbreiten und auch vor Grenzen keinen Halt machen. Was also tun? Stefan Kaufmann, Infektionsbiologe aus Berlin, erklärt die Möglichkeiten. Großes Stichwort dabei: Zweipreissystem. Dabei zahlen die Menschen der Dritten Welt für Impfstoffe nur einen Bruchteil von dem, was die Menschen aus den Industrieländern für denselben zahlen würden. Zudem wurde in den USA beschlossen, dass ein bestimmter Teil der Steuergelder für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krankheiten eingesetzt werden, die in den Indusrieländern verhältnismäßig selten vorkommen. Während des gesamten Workshops machten die Experten eines ganz deutlich: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Jede Impfung kostet nur ein zwanzigstel von dem, was eine ausgebrochene Krankheit kosten würde.

Am Schluss gibt`s noch einen kurzen Überblick über die Ursache der Seuchenentstehung und Verbreitung (vorgestellt von Klaus Stöhr, Direktor im Bereich Impfststoffentwicklung bei Novartis):
– Armut oder Katastrophen (mangelnde Hygiene, keine Medikamente)
– Unvorsicht oder Missbrauch im Biosicherheitslabor (Virus gerät in Gesellschaft)
– (Natur)katastrophen
– der Klimawandel, also die Erderwärmung
– industrialisierte Massentierhaltung (multiressistente Stämme durch Missbrauch von Antibiotika)

Michael Greger, Director of Public Health an Animal Agriculture, klärte abschließend die Frage, ob wir die Vogelgrippe selbst ausgebrütet haben. Das H5 Virus wird wahrscheinlich die nächste Pandemie auslösen. 1918 gab es schonmal eine Pandemie des Virus. Kein Krieg forderte so viele Opfer in so kurzer Zeit. Impfstoffe stehen nur für einen Bruchteil der Weltbevölkerung zur Verfügung. Also sollte man diese Bedrohung ernst nehmen. Geflügel wird aber schon seit Jahrtausenden gehalten, warum werden die Vögel jetzt zu potenziellen Killern? Schuld sind die geänderten Bedingungen, unter denen die Tiere heute gehalten werden. Immer mehr Vögel werden auf immer weniger Raum zusammengepfercht. Die Tiere stehen unter Dauerstress, was eine Mutation der Viren noch weiter begünstigt. Zum Schluß gabs nochmal was zum Nachdenken (frei übersetzt): „Wir können jetzt oder erst später bezahlen, aber bezahlen werden wir.“

Nadelöhr-Blogging

November 27, 2007

Ein Internetzugang für 19 Blogger. In Worten: Einer. Das macht das Just-in-time-Blogging schwierig. Genauer: Fast unmöglich. Was war passiert? In unserem Redaktionsraum auf der Wissenswerte war mit einem großen Tisch, genügend Stühlen und massenhaft Kaffee (großartig!) alles auf Hardcore-Blogging eingerichtet – aber nur einer der Laptops wurde für das WLAN freigeschaltet. Messepolitik. Nicht blogfreundlich. Bevor sich Tristesse breitmachen konnte, handelten wir pragmatisch: Ein Rechner wurde zum Online-Rechner erklärt, alle anderen arbeiteten offline und mit USB-Sticks für die Übertragung. Trotzdem entstand natürlich Stau am WordPress-Contor. Deswegen möge der geneigte Leser Milde walten lassen, wenn hier alles sehr nach und nach eintrudelt. Übrigens hat die Messe uns zugesichert, dass das Blog in zwei Tagen auf www.wissenswerte-bremen.de verlinkt wird. 😉

What’s new? Wissenschaftsjournalist Hanno Charisius schneite bei uns herein, staunte über das heftige Geklapper der Laptoptasten und begutachtete das Blog: Wo sind die Links? Und wo die Absätze? Tscha, wir arbeiten dran!

Focus-Online-Chef Jochen Wegner wollte reinschauen, traute sich dann aber nicht ins Büro musste dann doch rasch zu der Podiumsdiskussion über Wissenschaftsjournalisten, die Chefs von Online-Medien werden (Gero von Randow wird von Patrick Illinger, Leiter Wissenschaftsressort SZ und Leiter SZ Wissen, vertreten; übrigens wird SZ Wissen demnächst monatlich herauskommen, aber das wisst Ihr alles schon).

 

Beim Moderator Uli Blumenthal hallte anfangs das Mikrofon bei der Podiumsdiskussion. „Hört sich an wie aufm Klo“, „man kann so gar nicht zuhören“ und „es stört“ waren die Reaktionen auf diese Situation. „Drei Experten und vier Meinungen“ sagte er daraufhin. Und schon sind wir beim Thema „Wie wissenschaftlich ist die Wissenschaft? Über die Neutralität von Experten in den Medien“. Kann es Neutralität überhaupt geben, fragte Uli Blumenthal. „Man kann nicht neutral sein , schon aufgrund dessen, dass jeder ob durch Religion oder Nationalität beeinflusst wird“, antwortete Dr. Regine Kollek Professorin für Technologiefolgenabschätzung der modern Biotechnologie in der Medizin der Universität Hamburg. Deswegen sollten die Wissenschaftler bei Veröffentlichungen zeigen, aus welcher Perspektive sie sprechen. Denn gerade beim kontroversen Thema Klimawandel vertreten Wissenschaftler unterschiedliche Ansichten: Für die einen wird er vom Menschen verursacht, die anderen halten daran fest, dass der Mensch alleine keine Schuld trägt. Durch diese Prägung seien neutrale Aussagen von Forschern nur schwer zu bekommen. Übrigens sei die Wissenschaft inzwischen aus diesem Thema ausgestiegen und die Politik hat sich seiner angenommen: Die Politik sucht nun die Schuldigen am Klimaproblem und Frau Merkel verhandelt nebenbei mit China über die CO2-Emissionen.

Zur Qualität des Wissenschaftsjournalismus sagte Dr. Peter Weingart, Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung an der Universität Bielefeld: „Wenn sich früher die Wissenschaftler zu einem Thema geäußert haben, hat man es ihnen abgekauft.“ Doch diese Zeiten seien vorbei: Heute sind die Wissenschaftsjournalisten kritischer geworden. Außerdem machten Journalisten aus dem Gesagten oft etwas, was so nicht gesagt wurde; Zitate würden in einen anderen Sinnzusammenhang gestellt. Der Titel unseres Blogeintrags, „Wir sind gerne Fachidioten“, stammte übrigens von einem weiteren Podiumsteilnehmer, dem Geesthachter Direktor des Instituts für Küstenforschung Hans von Storch. Er gibt Journalisten zwar gerne Auskunft, jedoch nicht zu jedem Thema: Wenn bei ihm ein Journalist anruft und zu einem Thema befragen will, auf dem er kein Experte ist, dann leitet er diese an einen entsprechenden Kollegen weiter. Das sei besser als nach der Maxime zu verfahren: „Ein Professor weiß zu allem etwas“. Schade findet er allerdings, dass „es viele Wissenschaftler gibt, die etwas zu sagen haben, aber nicht angesprochen werden oder nicht gut kommunizieren können“.

 

Also: Traut euch!

Keine Bange um Radio und TV

November 27, 2007

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Podiumsdiskussion: Zukunft von Wissenschaft in Radio und TV

Moderation: Christiane Götz-Sobel (ZDF)                                                                                                                 Diskussionsteilnehmer: Rüdiger Malfeld (WDR Hörfunk) Deborah Cohen ( BBC Radio) Hendrik Hey (Welt der Wunder)

Die Moderatorin Christiane Götz-Sobel leitet die Diskussion ein, indem sie die Teilnehmer fragt, ob die klassischen Medien (Fernsehen, Zeitung, Radio) dem Internet zum Opfer fallen. Die drei Teilnehmer beantworten diese Frage in Form von Referaten. Auf eine lebendige Diskussion warte ich vergeblich. Trotz des Themas „Zukunft von Wissenschaft in Radio und TV“ geht es nur nebenbei um den Aspekt der Wissensvermittlung. Nun zu den Stellungnahmen. Malfeld rät: „Keine Angst vor dem Internet.“ Das Radio wird nicht aussterben. Durch Streams und Podcasts werde das Radio in modifizierter Form weiterleben. Überhaupt verliere „Hören“ nicht an Bedeutung. Dies zeige der bestehende Hörbücher-Trend. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, so Malfeld. Schließlich hören wir seit ca. 80 Jahren Radio. Zudem erfüllt das Radio nicht ersetzbare Aufgaben. Mit der pulsschonenden Weckfunktion des Radios und Informationen zur Stau- und Wetterlage, kann der MP3 Player nicht mithalten. Eine weitere Vertreterin des Radios, ist Deborah Cohen. Sie ist Leiterin der Wissenschaftsredaktion von BBC World Service. Internet ist für sie ein Bereicherungsmedium. Kurz und knackig stellt sie die Homepage zur Radiosendung vor. Diese beinhaltet ausführliche Hintergrundsinformationen und hält Streams für neugierige Zuhörer bereit. Auch Welt der Wunder Moderator Hendrik Hey nutzt das Internet, um innovative Wege zu beschreiten. Er produziert www.wdwip.tv, ein eigenständiges Internet-TV-Format und eingegliedert in die Welt der Wunder GmbH. Auf der Plattform wird täglich 2 Stunden live gesendet. Der Clou bei wdwip.tv ist die Box. Der User hat hier die Möglichkeit seine Kommentare und Anregungen direkt den Moderatoren mitzuteilen. Diese Moderatoren gehen auf die Kommentare ein und können so Einfluss auf den Sendeablauf nehmen. Das heißt: Der User gestaltet die Sendung interaktiv mit. An der Nachfrage scheitert die Plattform definitiv nicht. „Einige User beteiligen sich so sehr, dass wir ihnen Administratorenrechte gegeben haben“, erzählt Hey. Alle drei Diskussionsteilnehmer sehen zuversichtlich in die Zukunft von Radio und Fernsehen. Internet ist eine Chance und kein „digitales schwarzes Loch“, wie die Moderatorin am Anfang zu bedenken gab.