Telefonieren oder nicht?

November 18, 2008

Mittlerweile hat fast jeder ein Mobiltelefon und egal, ob es die Gesundheit nun gefährdet oder nicht, telefonieren werden die meisten weiter. Zumindest darüber sind sich die drei Referenten des Workshops „Mobilfunk: Kann Strahlung die Gesundheit gefährden?“ einig.

Professor Dr. Alexander Lerchl, Biologe an der Jacobs University in Bremen, stellte die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms vor. Demnach gab es bei Mäusen keinerlei Anzeichen, dass die Nutzung von GSM- oder UMTS-Technologien schädlich ist. Der Nachweis von bedenklichen Langzeiteffekten blieb ebenfalls aus. Professor Lerchl betonte auch, dass noch keine Aussagen über die Wirkung von elektromagnetischen Feldern bei Kindern getroffen werden können, ebenso nicht über die Langzeiteffekte beim Menschen. Die Interphone-Studie, eine Untersuchung zur (un)schädlichen Wirkung von Mobilfunkstrahlung bestätigt diese Ergebnisse, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine starke Risikoerhöhung durch Mobiltelefone unwahrscheinlich ist.  Dr. H.-Peter Neitzke vom ECOLOG Institut in Hannover hingegen schließt kanzerogene Wirkungen und Veränderungen im Zentralen Nervensystem durch das „mobile“ Telefonieren nicht aus. Er spricht von „vorsorgendem Gesundheitsschutz“. Die Reduzierung von Grenzwerten, unabhängige Studien sowie der Kinder- und Jugendschutz sollen Bausteine dieser Konsequenz sein.

Vorerst wird die Parole also erst einmal lauten: abwarten und weitertelefonieren, denn Hinweise sind nach wie vor keine Beweise!

Glaubwürdigkeitslücke

November 18, 2008

Na, drückt es schon hinter dem Ohr? Da wächst demnächst ein Tumor vom vielen Handytelefonieren. Echt jetzt. Oder eben auch nicht. Das war jedenfalls das Thema meines ersten Workshops heute: „Mobilfunk: Kann Strahlung die Gesundheit gefährden?“

Diese umfassende Fragestellung hat die Referenten natürlich ein bisschen überfordert.

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Eine Portion mehr Logik

November 30, 2007

Welche Chance bietet ein Wissenschaftsjournalist in der Chefredaktion? Mit dieser Frage beschäftigten sich Journalisten aus dem Ressort Wissenschaft während der letzten Podiumsdiskussion.
Im Laufe der Debatte veränderte sich jedoch der Fokus des eigentlichen Themas, die Frage wurde schnell beantwortet und somit scheinbar nichtig.
Themen wie Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur sind häufiger in den Medien vertreten, im Vergleich zu wissenschaftlichen Artikeln. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Chefredakteure oft Laien der Wissenschaft sind, erklärte Reto Schneider Stellvertretender Redaktionsleiter der NZZ Folio. Somit wäre ein Wissenschaftsjournalist in der Chefredaktion nicht nur eine Bereicherung für das Berufsfeld, sondern würde die Wissenschaft salonfähiger machen.
Dr. Patrick Illinger, Leiter des Ressorts Wissen der Süddeutschen Zeitung und zudem Publikumsmagnet des Abends, kann diese naturwissenschaftliche Phobie nicht nachvollziehen. „Jedes Thema kann wissenschaftlich bearbeitet werden“, betont er.
Zudem schnitt er ein weiters Thema an. Der Wissenschaftsjournalist werde, seiner Meinung nach, zu stark mit dem Forscher oder Wissenschaftler verglichen. “In erster Linie sind wir Journalisten“, betont er.
Erfreulich zu erwähnen ist, dass diese „kleine Nische“ verstärkt an Interesse und Bedeutung in der Gesellschaft gewinnt. Wir müssen nur „haushalten“, fordert Illinger.
Wie oben erwähnt veränderte sich das eigentliche Thema.
Nun lagen im Zentrum der Diskussion die Aktualität und die Recherche eines Artikels.
Schneider erklärte, dass seine Mitarbeiter und er eine Vorbereitungszeit von einem Jahr benötigen, bevor ein Artikel als gut befunden und veröffentlicht wird. Auf die Frage der Moderatorin, ob Aktualität für in zweitrangig sei, beantwortete er mit einem schlichten „ja“. Illinger stimmte der Theorie zu, für ihn ist der „Gegenwartsbezug“ zwar relevant, aber trotzdem sei eine gute Recherche zwingend nötig.“ Zu oft haben Journalisten den Autoren blind vertraut“, dabei nimmt er Bezug zu Fischers Vortrag (die Popularisierung der Wissenschaft und die Rolle der Medien).
Anderer Meinung ist Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online. Er und seine Mitarbeiter bestehen aufs tägliche einen Kampf mit der Zeit. Dabei muss er von seinen Journalisten ein schnelles und „absolutes Fachwissen“ erwarten.
Zusammenfassend war die Podiumsdiskussion sehr harmonisch und amüsant.
Eine Begründung für die ausgelassene Atmosphäre könnte an der Vorfreude der bevorstehenden Wissensparty im Flughafen liegen, die eine halbe Stunde später stattfand.

Bildung basiert auf Emotionen

November 30, 2007

„Schon im Mutterleib werden die Weichen gestellt für neuronale Entwicklungsprozesse“, erklärt der Neurobiologe Professor Gerald Hüther zum Thema frühkindliche Bildung während des Workshops anlässlich der Wissenswerte. Doch das wird oft falsch verstanden.“Dabei geht es nicht darum das Kind schon im Bauch der Mutter mit Chinesisch- oder Englischvokabeln zu beschallen“, berichtet er weiter.“Lernen muss über Emotionen vermittelt werden!“

Hüthers Erkenntnissen nach sind Lernerfahrungen immer an emotionale Zustände gekoppelt. Das sei bereits ein pränatales Phänomen. Fühlt sich eine Schwangere zum Beispiel beim Hören klassischer Musik besonders wohl, entspannt sich ihre Bauchdecke, das ungeborene Kind bekommt mehr Platz und verbindet die Musik somit mit einer angenehmen Erfahrung. Gegenteilig ist das ebenso möglich. Erfährt die Mutter etwas, was sie unter Stress setzt, spannt sich die Bauchdecke an und der Embryo wird zusammengrdrückt. Der Input von außen wird ebenfalls mit einem unangenehmen Gefühl gekoppelt. Wiederholen sich die erlebten Situationen, festigen sich die Assoziationen. „Je mehr man sich anstrengt, desto höher ist die Verspannung und desto eher kann das ins Gegenteil umschlagen“ bemerkt Hüther.

Das geschieht besonders im Bereich Bildung. Der Begriff Lernen scheint negativ belastet zu sein. Dafür ist laut Hüther unter anderem der gesellschaftliche Ruf nach Leistung verantwortlich. In Zeiten von Pisa und Iglu lastet ein großer Druck auf Eltern und Kindern. Im Leistungsfähigkeitsvergleich möchte niemand hinten an stehen. Die Eltern haben Angst etwas zu verpassen, so dass die Kinder später im globalen Wettbewerb nicht mithalten können. Der Hirnforscher ist sich sicher:
„Das Hauptproblem momentan sind die Eltern. Sie suchen in ihrer Verunsicherung einen Strohhalm an den sie sich klammern können, weil sie alles richtig machen wollen. Sie wissen allerdings nicht, wie man es richtig macht.“ In ihrer Verunsicherung würden Eltern dann oft zu Methoden greifen, die zu ihren Zeiten scheinbar funktioniert haben, nämlich
Disziplinierung und Druck.

Mit dem Versuch von Disziplinierung würde man laut Hüther allerdings nur Ungehorsamkeit erreichen. Laut ihm kommt es darauf an, den Kindern die Möglichkeit zu geben ihre Persönlichkeit zu entfalten und ihnen damit optimale Entwicklungschancen zu ermöglichen. Es ginge nicht darum Kindern Wissen mit zu geben und sie für bestimmte Zwecke funktionieren zu lassen, sondern ihre Grundbedürfnisse nach Zuneigung, Freiheit, Autonomie und Dankbarkeit zu erfüllen. „Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, können Kinder ihre Potentiale nicht mehr entfalten und keine Bindungsfähigkeit oder positives Selbstbild herstellen“, erklärt der Neurowissenschaftler weiter. „Kinder müssen sich als wirksam empfinden, bemerken, dass sie etwas bewirken können. Das ist wohl das aller wichtigste, was man Kindern mitgeben kann! Und das kann man nicht lehren, sondern man muss den Kindern die Möglichkeit geben es selbst zu erfahren.“

Dabei soll es besonders wichtig sein, dass das Gelernte Bezug zum Leben der Kinder hat. Es sei eine ungünstige Erfahrung, wenn man Lernen muss, obwohl es keinen Sinn ergibt. Beispielsweise der Nutzen von Disziplin muss von den Kindern in der Praxis selbst erfahren werden. Hierzu gibt Hüther das Beispiel des Marshmallow-Tests.

Der Test wurde in den 60iger Jahren von Walter Mischel durchgeführt. Dabei wurde ca. 100 etwa 4 jährigen Kindern ein Marshmallow vorgesetzt. Nun wurde ihnen gesagt, dass sie die Süßigkeit essen dürfen, wann sie möchten. Könnten sie allerdings 15 Minuten warten, bis der Versuchsleiter wieder kommt, würden sie als Belohnung einen zweiten Marshmallow erhalten. Nach 20 Jahren wurden die ehemaligen Versuchsteilnehmer wieder eingeladen und befragt. Man stellt fest, dass die Menschen, die die selbstregulatorische Kompetenz besaßen auf den zweiten Marshmallow zu warten, ihr Leben besser meistern konnten. Sie schienen mit Streß besser umgehen zu können, bessere Bindungen und Partnerschaften eingehen zu können, verlässlicher, vertrauenswürdiger und beruflich erfolgreicher zu sein.
Hüther fasst die Erkenntnisse des Tests knapp zusammen: „Die Botschaft heißt also: Wir müssen mehr dafür tun, dass unsere Kinder 15 Mnuten auf einen Marshmallow warten können.“

Und das ginge nur in liebevoller Beziehung zu Lehrern, Erziehern und Familie. Kinder müssten nicht nur funktionieren und sich Wissen aneignen, sondern man bräuchte umsichtige, flexible Kinder, die auf andere inspirierend wirken. Je wohler sich Kinder beim Lernen fühlen würden, desto besser gelänge ihnen alles. „Wenn einmal negative Erfahrungen, zum Beispiel in Bezug auf das Lernen erfahren wurden, reicht es nicht mehr, durch Überzeugungsarbeit etwas daran zu ändern. Das geht nur durch neue positive Erfahrungen!“ erklärt der Hirnexperte.

„Unter Angst und Druck kann man sein Gehirn nicht nutzen. Und so vergeuden wir das Wichtigste was wir haben – die nachwachsende Generation“

Die Zukunft klopft an die Tür. Nicht überraschend, so hat sie sich doch in den letzten Jahren häppchenweise angekündigt: TV und Radio verweisen auf zugehörige Podcasts, Internetauftritte sind mit Galerien bespickt, Videos soweit das Auge reicht…Die Wissenschaftsjournalisten schielen mit einer Mischung aus Neugier und Angst durch den Spion – aufmachen möchte scheinbar niemand. Grund genug, um den Workshop „Crossmediales Arbeiten: Wie funktioniert das?“ in den Terminkalender der Wissenswerte 2007 aufzunehmen.

Unter der Leitung von Moderatorin Bettina Goldbach (MDR) referiert Prof. Dr. Klaus Meier, eine von zwei Figuren der Hochschule Darmstadt auf dem Wissenswerte-Schachbrett. Christian Jakubetz, Journalist und Dozent unter anderem an der deutschen Journalistenschule, komplettiert die Runde. Im ersten Teil der Veranstaltung fasst Meier die aktuelle Mediensituation zusammen. Jakubetz gibt im zweiten Abschnitt Tipps zur praktischen Anwendung. Dabei verwandelt sich der Workshop in eine Art Beratungsstelle für die nach wie vor verunsicherten Wissenschaftsjournalisten.

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Wie kommt man zum Mars und zurück? Was haben Prostata-Operationen mit Weltraum-Robotern zu tun? Und wie kann man die Erdbeobachtung kommerzialisieren? Viele Fragen, für die es jedoch nicht immer eine einzige Antwort gibt. Doch die drei Redner des Workshops zum Thema „Raumfahrt“ schlagen sich wacker. Professor Ralf Jaumann und Professor Gerd Hirzinger vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie Jörg Herrmann, der Geschäftsführer der Infoterra GmbH sprechen über Planetenforschung, Robotik und die Relevanz von Radarbildern, jeder zunächst in einem kleinen Vortrag, dann stellen sie sich den Fragen des Moderators und des Publikums.

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Im Web verloren

November 27, 2007

Wissen Sie was eine Broselmuleffe ist? Müssen Sie auch nicht. Denn auch eine qualitativ gute Suchmaschine wird bei der Suche danach in den Weiten des Word Wide Webs nur diesen Blogeintrag finden. Fantasiewörter wie die Broselmuleffe nutzt Recherche Trainer Sebastian Moericke-Kreutz, um Suchmaschinen auf Ihre Qualität zu testen. Bringt die Broselmuleffe Treffer, hat die Suchmaschine gemogelt und auch nach ähnlichen Schreibweisen gesucht.
Diesen Hintergrund erklärt der Redakteur der Nachrichtenagentur DPA in seinem Vortrag „Bessere Recherche mit Suchmaschinen – Tipps und Tricks“. „Was eine Suchmaschine zeigt, ist kein Abbild der Realität, sondern nur ein kleiner Schnappschuss dessen, was tatsächlich im Web zu finden ist“, sagt Moericke-Kreutz. Er hat früher Suchergebnisse im Auftrag von Google getestet. Internetnutzer sollten sich die Mühe machen, mehrere Suchmaschinen auszuprobieren. Denn Ihre Ergebnisse unterscheiden sich. Wichtig sei auch Suchmaschinen-Befehle wie „AND“ und „NOT“ zu kennen. Auch dabei unterschiedne sich die Dienste.
Aber Vorsicht: Bei jeder Suche hinterlassen die Nutzer ihr „komplettes Profil mit Adresse“. Eine Ausnahme bilde da die Suchmaschine Scroogle. Sie verschleiert die Adressen ihrer Nutzer.
Mehr Tipps unter: http://www.recherche-info.de.