Schlagen wir dieser Tage die Zeitung auf, fallen sie uns entgegen: Die kleinen, dünnen und optisch oftmals sehr ansprechenden Heftchen. Eines von ihnen hat sicherlich jeder von uns schon einmal durchgeblättert. Die Rede ist von Verlagsbeilagen. Sie waren unter anderem Thema in der Podiumsdiskussion „Gekaufte Re(d)aktionen? Pharma-PR als Prügelknabe und Partner des Journalismus“. Die Medical Tribune, Beilage der Süddeutschen Zeitung, gehört beispielsweise zu diesen Heftchen.
Das Problem: Die augenscheinlich redaktionellen Artikel sind in Wirklichkeit gar nicht redaktionell. Oftmals sind es getarnte Anzeigen, geschrieben für ein bestimmtes Unternehmen. Die Beilagen sehen aus wie echte Magazine. Dem Leser ist es kaum möglich zu erkennen, welche Art von Produkt er in den Händen hält. Es gibt genug profitorientierte Unternehmen, deren einzige Absicht es ist möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Sie tun alles um ihr Produkt zu vermarkten. Für ein bisschen Geld können sie sich Platz in der Verlagsbeilage kaufen.
Und die Verlage halten dankend die Hände auf. Die Redaktionen lassen sich die zusätzliche Werbeplattform teuer bezahlen. Manche nutzen die damit verbundene Macht aus. Sie berichten über neue Innovationen zahlungskräftiger Unternehmen einfach nicht mehr im klassischem Medium, sondern bringen den Bericht in der Beilage. Kauft das Unternehmen nicht den geforderten Anzeigenplatz, gibt es eben keine Geschichte.

Dazu lässt sich nur noch sagen: Schwarze Schafe aus PR und Journalismus vereint euch und…

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Vielleicht doch PR?

November 18, 2008

Wissenschaftsjournalismus, das heißt oftmals unverständliche Themen aus der Wissenschaft für die Allgemeinheit verständlich aufzuarbeiten. Also komplexe Dinge einfach erklären. Was man vor allem dafür braucht ist Raum um sich Klarheit über die komplizierten Sachverhalte zu verschaffen. Die Frage ist: Kann der Wissenschaftsjournalismus diesem Anspruch in der heutigen Medienwelt noch gerecht werden? Fakt ist, ein Medium mit genug Raum für einen Artikel von 10.000 Zeichen ist heute kaum noch zu finden. Diesen Platz gibt es im vom Nutzwert getriebenen Boulevardjournalismus unserer Zeit einfach nicht. Der klassische Bericht vergangener Tage stirbt aus, er wird durch das Feature ersetzt. Häppchen sind die Zukunft, und wehe es fehlt dabei der Nutzwert.
Doch wo findet man diese Häppchen? Neben Fachzeitschriften und eigens recherchierten Themen sind auch Pressemitteilungen von großen Unternehmen eine mögliche Recherchequelle. Recherche oder gar Themenfindung durch die böse, mächtige PR? Niemals, sagt der verantwortungsbewusste Journalist. Aber warum eigentlich nicht? Immerhin versorgt sie uns täglich mit immer neuen herausragenden Sensationen. Jeden Tag offenbart sie uns die neusten Entwicklungen und Innovationen, und alle sind sie perfekt zugeschnitten auf den Verbraucher. Ist die PR wirklich so böse wie immer behauptet? Die Antwort muss jeder für sich selbst finden. Fakt ist, das wichtigste Gut des Journalisten ist seine Unabhängigkeit, diese darf er niemals verlieren. Denn nicht in allen Fällen von PR muss man von böser, dunkler Macht sprechen. Denn eines ist sicher: jede Medaille hat zwei Seiten. Es gibt saubere PR und schmutzigen Journalismus.

Der böse Löwe?!

November 17, 2008

asdasd

Referierte kritisch über das Verhältnis von Journalismus und Public Relations: Prof. Dr. Klaus Kocks, Gesellschafter der CATO Sozietät für Kommunikationsberatung GmbH sowie der VOX POPULI Meinungsforschungsinstitut GmbH. Foto: Alexander Roßbach

Die „Höhle des Löwen“. Gibt es sie nun oder gibt es sie nicht? Stehen sich PR und Journalismus doch näher als oftmals zugegeben? Es scheint auf beiden Seiten schwarze Schafe zu geben, wo gibt es diese schließlich nicht. Jedem scheint es selbst überlassen zu sein wie er recherchiert, wen er anruft und zu wem er Kontakte knüpft. Nur, wie kommt man an den Wissenschaftler aus dem Labor? Wie finde ich als Journalist den richtigen Ansprechpartner einer neuen Entwicklung? Wenn wir ehrlich sind, nicht selten über die Pressestelle eines Unternehmens oder Instituts. Legt man dann gleich wieder auf? Man könnte ja gefressen werden? Oder lässt man sich doch darauf ein? Arbeitet man vielleicht sogar zusammen? Möglicherweise sitzt da ja am anderen Ende jemand der sauber recherchiert, der einem vielleicht weiterhelfen könnte? Die Betonung liegt auf weiterhelfen, und keineswegs auf abschreiben von zugeschickten Pressemitteilungen oder Hintergrundwissen über ein Forschungsgebiet oder ein neues Produkt. Journalisten und PR-Leute werden früher oder später zusammenarbeiten müssen, wenn sie es nicht schon längst tun. Sie bewegen sich nebeneinander her, teils arbeiten sie zusammen und teilweise lässt sich manch einer bestimmt auch beeinflussen. Die PR ist abhängig vom Journalismus und der Journalismus von der PR, auch wenn das viele nicht zugeben wollen. Schließlich lassen wir uns hier in Bremen, wie meine Kommilitonin Laura meint, auch von dem einen oder anderen Unternehmen verköstigen.

Wahre Worte…

November 17, 2008

…hat gleich zu Anfang schon Klaus Kocks gesprochen, in seinem Eröffnungsvortrag über das schwierige Verhältnis von Journalismus und PR. Unterhält man sich mit Journalisten über das Thema, könnte man gelegentlich durchaus den Eindruck bekommen, die Pressestellen der Unternehmen schickten ihre Schlägertrupps los, um Journalisten unter Androhung körperlicher Gewalt zum Abdruck von PR-Material zu zwingen… oder so ähnlich. Die armen Journalisten seien den gut ausgerüsteten PR-Horden schutzlos ausgeliefert.

Die Journalisten sollten doch bitte mit dem Rumgeflenne aufhören, meint dagegen Kocks. „Niemand zwingt Sie, Ihren Verstand auszuschalten oder ein schlechtes Stück zu schreiben.“ Genau. Ich würde dem noch hinzufügen, dass weniger Agenturmeldung oft mehr ist.

Wobei gar nicht in Abrede gestellt sein soll, dass die Arbeitsbedingungen (Zeitdruck etc.) der sauberen journalistischen Arbeit gelegentlich einen Strich durch die Rechnung machen. Irgendwann muss auch ein integrer Schreiberling ökonomisch kalkulieren, und dann wird das Fertigfutter aus den Pressestellen attraktiv.

Oder, in den Worten von Klaus Kocks, den ich definitiv in mein Herz geschlossen habe: „Ja, Skepsis ist wahrscheinlich schlechter bezahlt als Verlogenheit.“

PR ist böse

November 17, 2008

PRler manipulieren und korrumpieren den Journalismus. PR ist sowieso eins: böse. Sagen Journalisten – oder wie es Prof. Klaus Kocks heute Vormittag im Eröffnungsvortrag ausdrückte: „Journalisten am Rand zur Selbstaufgabe“. Denn gute PR ist nicht durchweg nur Beeinflussung, sie ist auch die Pflege von Beziehungen. Dass beide Seiten daraus Vorteile ziehen, ist offensichtlich: Der Journalist Information, der PRler hofft auf eine in seinem Sinne positive Berichterstattung.

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